Normen

Die Zuverlässigkeit und Qualität heutiger hochsensibler Elektronikprodukte wird maßgeblich von der Einhaltung von Schutzregeln gegen elektrostatische Aufladung beeinflusst. Zur Orientierung werden internationale Standards empfohlen.

Wichtige Normen

Die Normenreihe 61340 bietet grundlegende Antworten auf Fragen zum ESD-Schutz. Die Normen werden zuerst auf internationaler Ebene veröffentlicht und tragen daher die Buchstaben „IEC“. Die deutsche Sprachversion wird mit der Buchstabenfolge „DIN EN“ veröffentlicht. Um die aktuellste Entwicklung zu berücksichtigen, wird hier das Kürzel „IEC“ verwendet, da einige Normen noch nicht in deutscher Sprache veröffentlicht sind.

Elektrostatik Teil 2: allgemeine Prüfverfahren:

IEC 61340-2-1 Messverfahren – Fähigkeit von Materialien und Erzeugnissen, elektrostatische Ladungen abzuleiten
IEC 61340-2-3 Prüfverfahren zur Bestimmung des Widerstandes und des spezifischen Widerstandes von festen planen Werkstoffen, die zur Vermeidung elektrostatischer Aufladung verwendet werden

Elektrostatik Teil 3: Methoden zur Simulation von elektrostatischen Effekten:

IEC 61340-3-1 Verfahren zur Simulation elektrostatischer Entladungen: Human Body Model (HBM) Bauelementeprüfung
IEC 61340-3-2 Verfahren zur Simulation elektrostatischer Entladungen: Machine Model(MM) Bauelementeprüfung

Elektrostatik Teil 4: Standard Prüfverfahren für spezielle Anwendungen:

IEC 61340-4-1 Festgelegte Untersuchungsverfahren für besondere Anwendungen Hauptabschnitt 1: Elektrostatisches Verhalten von Bodenbelägen und verlegten Fußböden
IEC 61340-4-2 – Textilien
IEC 61340-4-3 – Schuhwerk
IEC 61340-4-4 – flexible Schüttgutbehälter (FIBC)
IEC 61340-4-5 – Verfahren zur Charakterisierung der elektrostatischen Schutzwirkung von Schuhwerk und Boden in Kombination mit einer Person
IEC 61340-4-6 – Handgelenkerdungsbänder
IEC 61340-4-7 – Ionisation
IEC 61340-4-8 – Schirmwirkung gegen elektrostatische Entladung – Beutel
IEC 61340-4-9 – Bekleidung
IEC 61340-4-10 – Norm wird zurückgezogen! – Methode Zweipunktmessung wird in IEC 61340-2-3 integriert.

Elektrostatik Teil 5: Schutz von elektronischen Bauelementen gegen elektrostatische Phänomene:

IEC 61340-5-1 – Allgemeine Anforderungen
IEC 61340-5-1 Beiblatt 1, Teil 5-2 – Benutzerhandbuch
IEC 61340-5-3 Eigenschaften und Anforderungen für die Klassifizierung von Verpackungen welche für Bauelemente verwendet werden, die gegen elektrostatische Entladungen empfindlich sind
IEC 61340-5-4 Entwurf in Bearbeitung! – Compliance Verification
IEC 61340-5-5 Entwurf in Bearbeitung! – Packaging systems used in electronic manufacturing

Elektrostatik Teil 6: Vermeidung von elektrostatischen Gefährdungen oder unerwünschten Effekten:

IEC 61340-6-1 Entwurf in Bearbeitung! – Electrostatic control for Healthcare

Normenhintergründe

Was sind Normen, wozu dienen sie und wer macht sie?

Normen definieren Standards und erleichtern wesentlich den nationalen und internationalen Handel.

Normen sind freiwillige Übereinkünfte derjenigen, die sie formulieren.

Normen regeln in Deutschland zu über 80 % technische Details von Produkten oder Verfahren.

Technische Normen definieren Anforderungen wie z.B. genaue Abmessungen, Gewichte, Toleranzen und Meßmethoden.

Normen stellen den jeweils aktuellen Stand der Technik und der arbeitswissenschaftlichen Erkenntnisse dar (der sich verändern kann!). Sie enthalten Muss- oder Soll-Vorschriften.

Neuerdings werden auch Managementsysteme, z.B. das betriebliche Qualitätsmanagement oder Regeln der organisatorischen Arbeitsgestaltung genormt.

Das Deutsche Institut für Normung DIN ist seit 1975 per Vertrag mit der Bundesregierung die herausgehobene Normungsorganisation in Deutschland. An der Normung arbeiten über 32.000 eherenamtliche Experten in unterschieldichen Gremien mit. Die Normen für dei Elektrostatik erarbeiten die Experten im Komitee DKE/K185 und internatonal im Gremium IEC/TC101.

Das DIN ist verpflichtet, die europäischen Normen zu übernehmen (DIN EN). Internationale Normen wie ISO gelten in Deutschland nicht, außer bei Übernahme durch DIN.

Internationale Normung

Die älteste internationale Normungsorganisation ist die Internationale Elektrotechnische Kommission (International Electrotechnical Commission, IEC), die Normen im Bereich der Elektrotechnik erarbeitet und damit viele Produktnormen, die für den Arbeitsschutz wichtig sind. In der Internationalen Organisation für Normung (International Organization for Standardization, ISO) arbeiten die nationalen Normungsorganisationen von etwa 130 Ländern zusammen. Ihre Arbeit orientiert sich ähnlich wie die des DIN am Grundsatz der Freiwilligkeit. Ähnlich wie die DIN-Normen werden auch ISO-Normen weitgehend nach dem Konsens-Prinzip erstellt.

Weitere Normungsinstitutionen, die auf internationaler Kooperation beruhen, sind ITU (International Telecommunication Union), CIE (International Commission on Illumination), IAEA (International Atomic Energy Agency), ILO (International Labor Office) oder WHO (World Health Organization).

Europäische Normung

Die europäischen Normungsgremien

Die verstärkte europäische Zusammenarbeit führte 1957 zur Gründung der Europäischen Kommission für Normung CEN und des Europäischen Elektrotechnischen Normungskomitees CENELEC, die ebenso wie das Europäische Institut für Normung im Bereich der Telekommunikation ETSI in Brüssel angesiedelt sind. Im CEN sind die nationalen Normungsorganisationen aller EU- und EFTA-Länder vertreten.

Harmonisierte technische Normung für den einheitlichen Binnenmarkt

Ziel der europäischen technischen Normung ist es, zur Erfüllung der grundlegenden Schutzziele der EU-Richtlinien zur Harmonisierung des Marktes nach Art. 100a EWG-Vertrag beizutragen. Hier finden sich Bau- und Ausrüstungsanforderungen, wie z.B. in der Maschinenrichtlinie.

Die harmonisierten EU-Normen EN konkretisieren die Richtlinien, sie enthalten Beschreibungen möglicher technischer Lösungen. Durch die freiwillige Beachtung der anerkannten Normen soll das festgeschriebene Sicherheitsniveau in ganz Europa erreicht werden.

Europäische Normung orientiert sich an den internationalen Normen. Europäische Normen müssen national, also vom DIN übernommen werden (DIN EN).

Auftrag der EU-Kommission

Die harmonisierten Normen werden per Auftrag von der EU-Kommission (Mandatierung) von den europäischen Normungsgremien erstellt und ratifiziert. Anträge auf Normung können aber auch von Privaten gestellt werden.

Die europäischen Normen (EN) sind unverbindlich, Hersteller z.B. müssen sie nicht beachten. Gleichzeitig gilt, dass bei Beachtung der Normen vermutet werden kann, dass die grundsätzlichen Sicherheitsanforderungen einer Richtlinie erfüllt sind.

Ein Produkt eines Herstellers ist dann EN-konform. Er kann es mit einem CE-Zeichen versehen und innerhalb der EU frei damit handeln. Für den Verbraucher sollen die EN Schutz bieten und das Vertrauen in Produkte und Dienstleistungen stärken.

Wichtige Adressen

Im deutschsprachigen Raum bietet das ESD-Forum e.V. mit jährlichen Treffen eine Basis für den Austausch von Interessierten.

Weitere Informationen finden Sie unter:

ESD Forum e.V.
http://www.esd-forum.de

DIN Deutsches Institut für Normung e.V.
http://www.din.de

Beuth Verlag GmbH
http://www.beuth.de

Österreichisches Normungsinstitut /Austrian Standards Institute
http://www.as-institute.at

CEN, Commission Européen de Normalisation
http://www.cenorm.be

CENELEC, Comité Européen de Normalisation Electrotéchnique
http://www.cenelec.be

ETSI, European Telecommunications Standards Institute
http://www.etsi.fr

ISO International Organization for Standardization
http://www.iso.ch

KAN Kommission Arbeitsschutz und Normung, Geschäftsstelle
http://www.kan.de

AFNOR – Association Française de Normalisation
http://www.afnor.org/

ANSI – American National Standards Institute
http://www.ansi.org

JEDEC
http://www.jedec.org/

ESD Association
http://www.esda.org/

BSI – British Standards Institute
http://www.standardsuk.com/